Ironman 70.3 Pula, Kroatien

Für unseren Athleten Sören S. ging es Mitte September zu seiner ersten Mitteldistanz nach Kroatien. Der halbe Ironman in Pula sollte der Abschluss und Höhepunkt seiner Saison 2016 werden. Hier erzählt er wie er das Spektakel erlebt hat.

Freitag, 16.09.2016

Am Freitag kam ich gegen Mittag in Pula an. Wir waren mit dem Auto gekommen und hatten uns in das offizielle „Racehotel“ einquartiert. Das hatte den Vorteil, dass Wechselzone und Start in gut einer Minute zu erreichen waren, da beide auf dem Hotelgelände lagen, welches wiederum auf der Halbinsel Verudela lag. Von dort gab es auch eine Busverbindung in die Innenstadt, wo an und im Amphitheater die Messe und das Ziel lagen. Von dort holte ich die Startunterlagen und besichtige schon einmal das Ziel in der antiken römischen Arena. War das Wetter in den vergangenen Tagen noch perfekt gewesen, gab es am Freitag schon erste Regenschauer. Vorerst dachte ich mir, dass Temperaturen unter 30°C  aber bestimmt nicht von Nachteil für das Rennen wären.

Samstag, 17.09.2016

In der Nacht  auf Samstag kam es über Stunden zu heftigen Gewittern und die Temperaturen fielen deutlich. 20°C und Wolken waren nicht das Wetter, welches ich für Kroatien erwartet hatte, als ich das Rennen Anfang des Jahres buchte. Über den Tag verteilt kam es dann auch immer wieder zu Regenschauern.

Morgens um 9Uhr war die offizielle deutsche Wettkampfbesprechung angesetzt. Dies war der erste große Unterschied zu den üblichen Triathlonveranstaltungen an denen ich teilgenommen hatte. Anstatt kurz vor dem Rennen nun schon einen Tag vorher. Dort wurden auch die weiteren Unterschiede ausführlich erklärt. Unter anderem die verschiedenen Beutel für Rad-, Lauf-, und Alltagsklamotten. Denn am Rad selber durften keine Utensilien liegen und umgezogen wurde sich in Zelten auf dem Weg zum Rad. Alles also wie schon diverse Male bei den Profis bei den großen Veranstaltungen in Frankfurt, Roth oder Hawaii im Fernsehen beobachtet. Für den restlichen Tag konnte ich noch eine Sightseeing-Tour in die Stadt unternehmen, bevor ich am Abend mein Fahrrad und meine Beutel in die Wechselzone einchecken durfte. Dort würde es also in der Nacht auf mich warten müssen. Schutzhüllen gegen die Witterung waren vom Veranstalter verboten worden, da mit weiteren Unwettern in der Nacht zu rechnen war. Daher wurde auch schon überlegt die Schwimmstrecke im Meer zu halbieren.

Sonntag,18.09.2016

Renntag! Geschlafen hatte ich eher durchschnittlich. Die durchgelegene Hotelmatratze war schief und durch den Starkregen und die Gewitter war es alles andere als ruhig gewesen. Der Morgen präsentierte sich jedoch ruhig. Von strahlend blauen Himmel konnte zwar keine Rede sein, aber das Meer war ruhig und der Wind nicht sehr stark. Daher kam vom Veranstalter auch die Ansage, dass über die vollen 1900m geschwommen werden konnte. Vor dem Rennen kontrollierte ich noch einmal mein Rad und pumpte die Reifen auf. Der Start war für 10.00Uhr angesetzt. Die Schwimmstrecke sollte in einem langgezogenen Dreieck weit in das offene Meer reingehen. Gestartet wurde nach dem „Rolling Start“-System. Das bedeutet, dass alle 5 sec 4 Athleten ins Wasser gelassen wurden.

Das Schwimmen

Ich sortierte mich bei einer erwarteten Schwimmzeit ab 41min ein, obwohl ich hoffte an den 40 Minuten kratzen zu können. Daher musste ich nach dem Aufstellen in der Startbox noch gut 25min warten, bis ich endlich über den Steinstrand ins Meer hechten konnte. Von der anfangs ruhigen See war mittlerweile eher weniger übrig geblieben und nach den ersten 100m hatten meine Mitstreiter und ich schon Probleme die Bojen zu sehen. Bis ich zur ersten Wendeboje kommen sollte hatte ich schon bei den beiden vorherigen Bojen das Gefühl wenden zu müssen. Denn die Gruppen wurde soweit abgetrieben, dass ich jedes Mal in einem Bogen um die Boje schwimmen musste, anstatt einfach gerade dran vorbei. Die Wellen wurden in der Zwischenzeit immer höher. Bei geschätzten 2m konnte man die Bojen nicht mehr erkennen und die Begleitkajaks waren anders als in der Wettkampfbesprechung angekündigt nicht rechts der Strecke sondern innerhalb. Von der Wellen hin und her gezogen machte sich in meiner Umgebung Unbehagen bei den Athleten breit. Auch mir wurde dort draußen im offenen Meer bei so viel Seegang echt mulmig. Wir versuchten uns immer oben auf dem Wellenkamm zu orientieren und die richtige Richtung anzupeilen. Die Kajaks versuchten bestmöglich Hilfe zu leisten und so kämpften wir uns gegen Wellen und Strömung zurück in Richtung Land. Mit einer Schwimmzeit von 59min war ich jedoch weit von meinem Ziel entfernt und auch schon echt nah an der ersten Cut-Off Zeit von 70 Minuten. Von vielen Athleten hörte ich nach dem Rennen oder in den sozialen Medien, dass sie 500m und mehr zusätzlich geschwommen sind und viele aus dem Wasser geholt werden mussten oder über die Cut-Off Zeit rutschten. Dort hätte der Veranstalter besser reagieren müssen.

Das Radfahren

Nach dem Schwimmen waren alle Zeitwünsche von mir schon Geschichte und der Tag wohl eher ein echter Ironman mit einem Kampf Mann gegen Natur. Vom Strand ging es einen Hügel hoch zum Umkleiden. Ich schnappte mir meinen Beutel und wechselte Neo und Schwimmbrille gegen Helm und Startnummer. Das Rad aus der Wechselzone geschoben ging es für mich an die 90km durch Istrien. Die ersten 10km sollten recht flach durch Pula verlaufen um dann über die nächsten 30km etwa 300 Höhenmeter zu haben. Die tendenziell abfallenden restlichen 50km sollten für eine gute Zeit reichen. Nach dem ersten Meter war aber schon Vorsicht geboten, da die Straßen von einem Schauer komplett nass und verdammt rutschig waren. An den Anstiegen war dies noch kein Problem und ich war froh nicht den Regen selber abbekommen zu haben. Ich versuchte mich gut mit Gels zu versorgen und musste auf Grund der geringen Temperaturen nur sehr wenig trinken. Nach der ersten Stunde lag ich für mich noch gut in der Zeit und hatte schon fast die ersten 30km geschafft. Dann jedoch setzte der Starkregen ein. Man würde hier im Norden sagen, dass es wie aus Eimern gekübelt hat. Die Regentropfen spritzten von der Straße hoch und stachen wie Nadeln auf der Haut. Mit dem Fahrtwind wurde es immer kälter und das häufig auf der Straße stehende Wasser lief mir stellenweise von oben in die Radschuhe herein. In diesem Unwetter ging es fast die ganzen restlichen 60km weiter und erst als ich mein Rad durch eine tiefe Pfütze in die Wechselzone schieben konnte hörte der Regen auf. Mittlerweile gibt es einige Videos im Internet, die das Ausmaß einigermaßen zeigen. Mit roten Armen und recht unterkühlt hatte ich also auch bei Radfahren gegenüber meiner erdachten Wunschzeit von 3 Stunden verloren und brauchte 03:22 Stunden für die 90km. Die vielen kleinen Kurven bergab hatten bei der erforderlichen vorsichtigen Fahrt viel Zeit gekostet.

Das Laufen

Nach dem Umkleiden zum Laufen hatte ich das wohl zweitbeste Gefühl des Tages: Warme, trockene Socken und Schuhe. Noch nie konnte ich mich darüber so sehr freuen wie an diesem Tag. Der folgende Halbmarathon ging über eine eher flache Strecke mit einigen wenigen spitzen Anstiegen. Die ersten 10km in die Stadt hinein liefen recht gut. Ich konnte die Erschöpfung spüren, aber ein gleichmäßiges Tempo anschlagen und mich weiterhin gut mit Gels versorgen. In der Stadt angekommen ging es über die 2,5 Runden durch Altstadt und Hafen immer schlechter. Die Erschöpfung und schlappen Beine taten weh, aber starke Übelkeit bremste mich immer wieder aus. Immer wieder musste ich kurze Gehpausen einlegen, weil mir einfach zu schlecht und flau im Magen wurde. Ob es an zu vielen Gels lag, dem gereichten Wasser oder die lange anhaltenden kalten Bedingungen im dauernassen Triathloneinteiler weiß ich final nicht.

Dennoch konnte ich der halben Ironman-Legende nacheifern und mich gegen die äußeren Bedingungen ins Ziel kämpfen. Und mit dem Einlauf in das antike Amphitheater ist dies hier auch ein wirklich legendärer Zieleinlauf, bei dem man mit dem Worten „You are a Gladiator“ begrüßt wird.

Mit dem kleinen persönlichen Wunsch von einer Zeit unter 6 Stunden wurde es zwar nichts mehr,  unter 7 bin ich jedoch geblieben. Aber das große Ziel alles zu geben und dennoch den Wettkampf und die Tage in Pula in vollen Zügen zu genießen wurde voll erreicht. Und die Medaille habe ich auch und das  Finisher-Shirt wird mit Sicherheit zum ersten Winter-Training der neuen Saison angezogen.

Und jetzt erst einmal Off-Season!